Was ist Kristallglas – eine Definition

Kristallglas von Arnstadt Kristall

Kristallglas ist ein geläufiger Begriff für durchsichtiges Glas. Doch worum handelt es sich bei Kristallgläsern eigentlich genau? Diese Frage versuchen wir heute mit einer Definition, die in die Geschichte zurückreicht und auch das Gesetz mit ins Spiel bringt.

Kristallglas: Nicht die Struktur, sondern eine Eigenschaft gibt den Namen

Kristalle sind Feststoffe, deren einzelne Bestandteile eine bestimmte Struktur aufweisen. Somit liegt es nahe, dass das Kristallglas daher seinen Namen bekam. Es stimmt, dass der Bergkristall mit verantwortlich für die Namensgebung ist, jedoch sind es im 15. Jahrhundert die Venetier, welche Glas herstellen, das sich durch seine Klarheit und Brillanz von anderen bis dato gefertigten Gläsern unterscheidet. Sie nannten Ihre Glasart “cristallo”, also Kristall. Heute wird im Italienischen auch eine Glasscheibe selbst als “cristallo” bezeichnet.

Das Bleikristall ist wiederum eine besondere Art des Kristallglases. Hierfür wird der Glasmasse Bleioxid beigefügt. Auf diese Weise wird das Glas noch härter und zugleich glänzender. Es eignet sich dann hervorragend für Schliffe und Gravuren. Es sollen die Engländer sein, die das Bleikristallglas im Barock, also im 17. Jahrhundert, entwickelt haben.

In Böhmen schuf man später Kristallglas, das durch das Hinzufügen von Kreide seine Brillianz erhielt. Heute können Kristallgläser auch mit Kaliumoxid hergestellt werden.

Die gesetzliche Grundlage: das Kristallglaskennzeichnungsgesetz

In Deutschland ist die Bezeichnung Kristallglas gesetzlich geregelt. Im sogenannten Kristallglaskennzeichnungsgesetz aus dem Jahr 1971 werden im 2. Absatz die Bestandteile von Kristallglas exakt angegeben:

§ 2 Begriffsbestimmungen

(1) Im Sinne dieses Gesetzes ist
1.
Hochbleikristall ein Glas, das mindestens 30 vom Hundert Bleioxyd (PbO) enthält, eine Dichte von mindestens 3,00 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,545 beträgt;
2.
Bleikristall ein Glas, das mindestens 24 vom Hundert Bleioxyd (PbO) enthält, eine Dichte von mindestens 2,90 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,545 beträgt;
3.
Preßbleikristall (Bleikristall gepreßt) ein gepreßtes Glas, das mindestens 18 vom Hundert Bleioxyd (PbO) enthält, eine Dichte von mindestens 2,70 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,520 beträgt;
4.
Kristallglas ein Glas, das entweder
a)
Bleioxyd (PbO), Bariumoxyd (BaO), Kaliumoxyd (K2O) oder Zinkoxyd (ZnO) allein oder zusammen in Höhe von mindestens 10 vom Hundert enthält, eine Dichte von mindestens 2,45 hat und dessen auf den Natrium-D-Strahl bezogene Brechungszahl mindestens 1,520 beträgt
oder
b)
Bleioxyd (PbO), Bariumoxyd (BaO) oder Kaliumoxyd (K2O) allein oder zusammen in Höhe von mindestens 10 vom Hundert enthält, eine Dichte von mindestens 2,40 und eine Oberflächenhärte nach Vickers von 550 +- 20 hat.
(2) Die in Absatz 1 genannten chemischen und physikalischen Eigenschaften sind nach den in der Anlage zu diesem Gesetz aufgeführten Methoden zu bestimmen.
(3) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung die in der Anlage aufgeführten Bestimmungsmethoden der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung anzupassen, sofern dies zur Erfüllung von Richtlinien der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft erforderlich ist und der Vereinfachung oder der sonstigen Verbesserung der Messung dient.
 

 

Das Gesetz definiert Bleikristall somit aus einer Verbindung aus Brillianz (über die Brechungszahl), Härte (Dichte) und Inhaltsstoffen (Bleioxyd).

Kristallglas selbst muss kein Bleioxyd enthalten und kann auf verschiedene Weise realisiert werden. Die Anforderungen an Dichte und Brillianz sind gegenüber echtem Bleikristall deutlich kleiner.

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